Halle 24

Halle 24


In der sogenannten Halle 24 (auch „Deutschlandhalle“) befand sich die Endmontage der Flugzeugmotoren. Die Halle maß im Grundriss 150 mal 400 Meter.[1]

Haline Dańko beschreibt ihre Ankunft am Zwangsarbeitsort: „Die Arbeiter in der Halle erwarteten uns schon und begrüßen uns mit lautem Gelächter: ‚Schaut Euch die die schicken Warschauerinnen an.“[2]

Ab Oktober 1944 wurden 500 weibliche KZ-Häftlinge dauerhaft im Keller der Halle untergebracht.[3] Später stieg die Zahl auf bis zu 1100 weibliche Häftlinge sowie ca. 30 Kinder im Alter von 13-16 Jahren.[4] Die zahlenmäßig am stärksten vertretenen Herkunftsländer der (namentlich bekannten) Häftlinge waren Polen, Frankreich und Deutschland. Daneben gab es auch eine Vielzahl ungarischer Jüdinnen, die nach der Absetzung von Miklós Horthy aus Budapest deportiert worden waren. Unter ihnen war die Malerin und Bildhauerin Edith Bán-Kiss. Auch Angehörige des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 befanden sich unter den Häftlingen. So u.a. Frau von Höppner und ihre Töchter, Frau von Witzleben und ihre Tochter sowie Frau Goerdeler.[5]

Die Häftlinge mussten teilweise in Schichten von bis zu 36 Stunden arbeiten.[6] Den Winter 1944 über mussten die Häftlingsfrauen in den kalten Hallen zerlumpt, teilweise ohne Strümpfe und in notdürftig geflickter Zivilkleidung arbeiten.[7] Schläge durch die SS-Aufseherinnen gehörten zum Alltag.[8]

Die Halle 24 wurde bei einem Fliegerangriff am 06. August 1944 an der Südwand und am Dach beschädigt, konnte jedoch wieder Instand gesetzt werden.[9] Sie wurde nach 1945 abgerissen und die Kellergeschoße verschlossen. Das Gelände wurde bis 1990 als durch Polizei (Betriebsschutzkommando) gesicherter Abstellplatz für LKWs verwendet und war öffentlich nicht zugänglich.[10]

Bei Grabungen des Landesamtes für Archäologie wurde 2022 festgestellt, dass die Kellerräume erhalten sind. Der Keller erstreckt sich in 8 m Breite über 200 oder mehr Meter die ganze Ostseite entlang des Außenfundamentes der Halle.

Mit Veröffentlichung des Bauplans am 25.03.2025 ist das Gelände als Gewerbegebiet ausgewiesen. Eine Überbauung wird darin nicht ausgeschlossen und auch eine Pflicht zur Zugänglichmachung ist nicht vorgeschrieben.

Der Hamburger Immobilienentwickler Garbe Industrial hat das Gelände im Frühjahr 2026 von einer bundeseigenen GmbH erworben. (MAZ vom 05.05.2026)

Mit einer gewerblichen Nutzung wird das bisherige Waldgelände dem öffentlichen Gedenken an die Opfer des Außenlagers entzogen. Es besteht zudem die Gefahr der kompletten Überbauung, welche die Überreste des KZ-Außenlagers für die Nutzung als Gedenkort und der wissenschaftlichen Erforschung unzugänglich machen würde.


[1] Dietrich Eichholtz, Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939-1945, Berlin/Boston 2003, S. 288.

[2] Helmuth Bauer (Hrsg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen (Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Bd. 30), Berlin 2011, S. 489.

[3] Ebd.

[4] Aussage von Friedel Malter, ebd., S. 215.

[5] Stephanie Habet-Allhorn, Genshagen ein Flugmotorenwerk bei Berlin (Mitteilungen aus dem Mercedes-Benz Archiv) 1990, S. 79.

[6] Bauer (Anm. 2), 215, 385, 496.

[7] Ebd., S. 218.

[8]Ebd., S. 386; Martina Dietrich, Zwangsarbeit in Genshagen dokumentierte Erinnerungen Betroffener (Brandenburgische historische Hefte. Bd. 4), Potsdam 1996, S. 51.

[9] Bauer (Anm. 2), S. 367.

[10] Vgl. https://www.geoportal-ludwigsfelde.de, Karte: Bodendenkmale