Märkische Allgemeine Zeitung und Berliner Zeitung berichteten am 05.05.2026 über den Verkauf des Geländes des KZ-Außenlagers unter der Halle 24. Der Hamburger Immobilienentwickler Garbe Industrial hat das Gelände im Frühjahr 2026 von einer bundeseigenen GmbH erworben.
Mit Inkrafttreten des Bebauungsplans am 25.03.2025 wurde das Gelände als Gewerbegebiet ausgewiesen. Eine Überbauung wird darin nicht ausgeschlossen und auch eine Pflicht zur Zugänglichmachung nicht vorgeschrieben. Bauanträge liegen offenbar bereits vor.
Auf einem von Garbe entwickelten Gelände in Ludwigsfelde steht bereits eine Logistik- und Gewerbehalle mit rund 12.000 Quadratmetern. Es ist daher davon auszugehen, dass die baulichen Überreste der Halle 24 in Zukunft nicht mehr zugänglich sein werden und zudem überbaut werden.
Während des Nationalsozialismus mussten in der gigantischen Endmontagehalle ab 1944 Frauen aus dem KZ Ravensbrück Zwangsarbeit leisten. Die Frauen kamen unter anderem aus Polen, Frankreich, Ungarn und vielen weiteren europäischen Ländern. Unter den deutschen Häftlingen waren laut der Historikerin Stephanie Habet-Allhorn auch Angehörige des militärischen Widerstands vom 20. Juli, u.a. Elisabeth Höppner und ihre Töchter, Alma Else Margarethe von Witzleben und ihre Tochter sowie Anneliese Goerdeler. Auch die ungarisch-jüdische Bildhauerin und Malerin Edith Bán-Kiss und die Kommunistin und spätere Staatsekretärin für Arbeit Frieda Franz Malter lebten und arbeiteten in der Halle 24 (Mehr Infos zum Gebäude hier.)
Die Frauen aus dem KZ-Außenlager mussten ab Winter 1944 in den Kellerräumen unter der Produktionshalle leben. Bei ersten Sondierungen im Jahr 2022 wurden zahlreiche persönliche Gegenstände der ehemaligen Häftlinge gefunden. Weitere Untersuchungen des Kellers waren geplant. Nach dem das Bodendenkmal im Untergrund des Investitionsobjektes festgestellt wurde, nahmen nach Angaben des Historischen Lexikon Brandenburgs Stadt und Planer von weiteren Untersuchungen Abstand.
Das Medium schreibt über die damaligen Grabungserkenntnisse:
„Eine Gesamtrekonstruktion der Verhältnisse kann […] nur durch die Zusammenführung einer kompletten Bauuntersuchung und der Berichte der Zeitzeuginnen erfolgen. Auch besteht […] die Möglichkeit, dass einzelne Zwangsarbeiterinnen Graffiti oder Aufschriften an den Wänden der Keller hinterlassen haben, wie es aus anderen Zwangslagern bekannt ist. Die Erhaltung der Kellerwände mit Original-Anstrich bietet für die Auffindung solch persönlicher und historischer Zeugnisse jedenfalls beste Chancen.“
Der frühere stellvertretende Landesarchäologe Dr. Thomas Kersting empfahl die Nutzung als untertägiger Gedenkort wegen der “landesgeschichtlichen Bedeutung” und der “emotionalen Qualität” des originalen Ortes.
Die Halle 24 gehört zu den letzten baulichen Zeugnissen der gigantischen Lagerkomplexe am Rüstungsstandort Ludwigsfelde/Genshagen, an dem weit über zehntausend Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei der Daimler-Benz Motoren GmbH ausgebeutet wurden. Nach dem Abriss des ehemaligen Konsum-Gebäudes 1988 als früherem Teil des Zwangsarbeitslagers „Ostmark“ sowie dem Abriss der letzten verbliebenen Baracke des KZ-Außenlagers am ehemaligen Rathausplatzes sind die Kellerräume des KZ-Außenlagers Halle 24 das letzte bauliche Zeugnisse der Zwangslager in Ludwigsfelde.
Wir erwarten vom Eigentümer und allen Entscheidungsträgerinnen und -trägern in Kreis, Land und Kommune, dass sie sich mit ihren Mitteln dafür einsetzen, dass sich die Fehlentscheidungen der letzten Jahrzehnte nicht wiederholen und der Zugang zur ehemaligen Halle 24 erhalten bleibt. Die Einrichtung eines Gedenkortes muss weiter das Ziel bleiben.
