Vor einem Jahr wurden Gebeine auf dem ehemaligen Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterfriedhof gefunden. Der Verdacht besteht, dass dort nach wie vor Menschen anonym verscharrt sind. (s. auch hier.)
Die MAZ hat den Besitzer des Grundstücks zu seinen Plänen interviewt. Auf die Frage, ob er die Einrichtung einer Gedenkstätte unterstützen würde, bekennt er sich erfreulich deutlich:
„Ja, selbstverständlich. Wir betreiben dort Forstwirtschaft, aber für den wirtschaftlichen Gesamtbetrieb ist die Fläche nicht von Bedeutung. Die Gedenkstätte war jahrzehntelang weitgehend in Vergessenheit geraten. Ich finde, sie darf nicht erneut vergessen werden. An die Opfer sollte dauerhaft erinnert werden.“
Der Ball liegt also bei der Kommune, die nach dem Kriegsgräbergesetz für die Einrichtung von Gräbern für Kriegs- und NS-Opfer zuständig ist.
Der Artikel findet sich hier, ist aber mit einer Paywall versehen.
Installation des „AK Zwangsarbeit gedenken“ erinnert an die bisher unbestatteten Toten auf dem ehemaligen Kriegsgefangenenfriedhof in Ludwigsfelde
Vor einem Jahr wurden in einem Waldstück an der Bundesautobahn bei Ludwigsfelde Knochen mutmaßlicher Zwangsarbeiterinnen gefunden. Dies erhärtete den Verdacht, dass auf dem ehemaligen Gelände eines früheren Kriegsgefangenenfriedhofs, neben dem ab 1942 auch sogenannte „Ostarbeiterinnen“ und „Ostarbeiter“ bestattet wurden, nach wie vor Gebeine liegen. Sondierungen in jüngster Zeit haben nach Informationen des Arbeitskreises diesen Verdacht weiter erhärtet. Wie es mit den dort liegenden Toten weitergeht ist auch ein Jahr nach Gebeinsfund nicht klar.
Am Jahrestag der Knochenfunde erinnert der Arbeitskreis Zwangsarbeit gedenken mit einer Installation im Waldstück an die Toten. In den kommenden Wochen sind an Bäumen entlang eines Waldweges Wünsche und Gedanken, die Ludwigsfelderinnen und Ludwigsfelder nach einer Veranstaltung zum Thema Zwangsarbeit für die Toten aufgeschrieben hatten, an den Bäumen befestigt.
Cornelia Chmiel vom Arbeitskreis erläutert:
„Wir wollen daran erinnern, dass die dort anonym verscharrten Menschen das Recht auf ein angemessenes Begräbnis und Gedenken haben.
Dazu gehört,dass die Namen der bestatteten identifiziert werden. Hinter den Toten stehen Familien, die nie erfahren haben, was mit ihren Angehörigen geschehen ist. In Ludwigsfelde war das Gedenken an mehr als zehntausend Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die in Ludwigsfelde ausgebeutet wurden, lange kein zentrales Thema der Kommunalpolitik. Die Zitate der Ludwigsfelderinnen und Ludwigsfelder zeigen aber, dass es in der Stadt den Wunsch gibt, sich aktiv mit der Geschichte der Ausbeutung und dem hundertfachen Tod von Menschen aus ganz Europa, die sich hier vor Ort abgespielt hat, auseinander zu setzen.“
Unter dem Motto „Vergessen ist eine Entscheidung“ hatte Anfang Juni 2026 der Ludwigsfelder Arbeitskreis „Zwangsarbeit gedenken“ zu einem Gedenkspaziergang am Birkengrund eingeladen. Gut 30 interessierte Bürger sowie Stadtverordnete nutzten die Chance, um sich selbst ein Bild von dem geschichtsträchtigen Ort der ehemaligen Halle 24 zu machen.
Im aktuellen nd-Die Woche widmet Christian Lelek den Auseinandersetzungen um die Überbauung des KZ-Außenlagers »Halle 24« und dem Umgang mit dem Waldfriedhof eine Doppelseite.
Neben Andrea Genest von der Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Mitarbeitenden des Museums Ludwigsfelde kommt auch der AK Zwangsarbeit gedenken zu Wort. Unser Mitglied Cornelia Chmiel benennt die Forderung nach einem Gedenkort.
Ein Jahr nach dem Fund menschlicher Gebeine auf dem ehemaligen Waldfriedhof an der Autobahn A10 im Ludwigsfelder Stadtgebiet sollen Untersuchungen zeigen, ob auf dem Gelände noch massenhaft menschliche Gebeine ehemaliger Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener liegen, berichtet die MAZ.
Heute vor 85 Jahren überfiel Deutschland die damalige Sowjetunion. 2,8 Mio. Frauen, Männer und Kinder wurden u.a. aus der Ukraine, Belarus & Russland zur Zwangsarbeit verschleppt, ca. 3,3 Mio. Kriegsgefangene durch Verhungernlassen & unmenschliche Behandlung getötet.
Der aktuelle SPIEGEL widmet sich dem Nachwirken des verbrecherischen Angriffskrieges auch am Beispiel der Stadt Ludwigsfelde und spricht dazu mit dem AK Zwangsarbeit gedenken.
Märkische Allgemeine Zeitung und Berliner Zeitung berichteten am 05.05.2026 über den Verkauf des Geländes des KZ-Außenlagers unter der Halle 24. Der Hamburger Immobilienentwickler Garbe Industrial hat das Gelände im Frühjahr 2026 von einer bundeseigenen GmbH erworben.
Mit Inkrafttreten des Bebauungsplans am 25.03.2025 wurde das Gelände als Gewerbegebiet ausgewiesen. Eine Überbauung wird darin nicht ausgeschlossen und auch eine Pflicht zur Zugänglichmachung nicht vorgeschrieben. Bauanträge liegen offenbar bereits vor.
Auf einem von Garbe entwickelten Gelände in Ludwigsfelde steht bereits eine Logistik- und Gewerbehalle mit rund 12.000 Quadratmetern. Es ist daher davon auszugehen, dass die baulichen Überreste der Halle 24 in Zukunft nicht mehr zugänglich sein werden und zudem überbaut werden.
Während des Nationalsozialismus mussten in der gigantischen Endmontagehalle ab 1944 Frauen aus dem KZ Ravensbrück Zwangsarbeit leisten. Die Frauen kamen unter anderem aus Polen, Frankreich, Ungarn und vielen weiteren europäischen Ländern. Unter den deutschen Häftlingen waren laut der Historikerin Stephanie Habet-Allhorn auch Angehörige des militärischen Widerstands vom 20. Juli, u.a. Elisabeth Höppner und ihre Töchter, Alma Else Margarethe von Witzleben und ihre Tochter sowie Anneliese Goerdeler. Auch die ungarisch-jüdische Bildhauerin und Malerin Edith Bán-Kiss und die Kommunistin und spätere Staatsekretärin für Arbeit Frieda Franz Malter lebten und arbeiteten in der Halle 24 (Mehr Infos zum Gebäude hier.)
Die Frauen aus dem KZ-Außenlager mussten ab Winter 1944 in den Kellerräumen unter der Produktionshalle leben. Bei ersten Sondierungen im Jahr 2022 wurden zahlreiche persönliche Gegenstände der ehemaligen Häftlinge gefunden. Weitere Untersuchungen des Kellers waren geplant. Nach dem das Bodendenkmal im Untergrund des Investitionsobjektes festgestellt wurde, nahmen nach Angaben des Historischen Lexikon Brandenburgs Stadt und Planer von weiteren Untersuchungen Abstand.
Das Medium schreibt über die damaligen Grabungserkenntnisse:
„Eine Gesamtrekonstruktion der Verhältnisse kann […] nur durch die Zusammenführung einer kompletten Bauuntersuchung und der Berichte der Zeitzeuginnen erfolgen. Auch besteht […] die Möglichkeit, dass einzelne Zwangsarbeiterinnen Graffiti oder Aufschriften an den Wänden der Keller hinterlassen haben, wie es aus anderen Zwangslagern bekannt ist. Die Erhaltung der Kellerwände mit Original-Anstrich bietet für die Auffindung solch persönlicher und historischer Zeugnisse jedenfalls beste Chancen.“
Der frühere stellvertretende Landesarchäologe Dr. Thomas Kersting empfahl die Nutzung als untertägiger Gedenkort wegen der “landesgeschichtlichen Bedeutung” und der “emotionalen Qualität” des originalen Ortes.
Die Halle 24 gehört zu den letzten baulichen Zeugnissen der gigantischen Lagerkomplexe am Rüstungsstandort Ludwigsfelde/Genshagen, an dem weit über zehntausend Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bei der Daimler-Benz Motoren GmbH ausgebeutet wurden. Nach dem Abriss des ehemaligen Konsum-Gebäudes 1988 als früherem Teil des Zwangsarbeitslagers „Ostmark“ sowie dem Abriss der letzten verbliebenen Baracke des KZ-Außenlagers am ehemaligen Rathausplatzes sind die Kellerräume des KZ-Außenlagers Halle 24 das letzte bauliche Zeugnisse der Zwangslager in Ludwigsfelde.
Wir erwarten vom Eigentümer und allen Entscheidungsträgerinnen und -trägern in Kreis, Land und Kommune, dass sie sich mit ihren Mitteln dafür einsetzen, dass sich die Fehlentscheidungen der letzten Jahrzehnte nicht wiederholen und der Zugang zur ehemaligen Halle 24 erhalten bleibt. Die Einrichtung eines Gedenkortes muss weiter das Ziel bleiben.
Der Arbeitskreis ist mit dem Franz-Bobzien-Preis der Gedenkstätte Sachsenhausen und der Stadt Oranienburg ausgezeichnet worden.
Die Auszeichnung mit einem Preis, der den Namen von Franz Bobzien trägt, ist eine Ehre.Franz Bobzien hat sich unter Todesgefahr für seine politischen Ideale eingesetzt. Der unermesslichen Gewalt im KZ Sachsenhausen zum Trotz hat er sich für die Jugendlichen im Lager eingesetzt und ihnen Halt und Wärme gegeben. Der Name des Preises nehmen wir daher als einen Auftrag an, die Opfer des NS-Regimes zu erinnern. Dass ihre Geschichte zumindest lokal – wie am Bespiel des Ausmaßes der NS-Zwangsarbeit – mittlerweile wieder eine vergessene Geschichte ist, wollen wir nicht akzeptieren.
Der Pädagoge Franz Bobzien wurde als Sozialist politisch verfolgt. Nachdem er 1933 zunächst erfolgreich untertauchte, wurde er 1934 aus den Niederlanden abgeschoben. Es folgten und Inhaftierung und Aufenthalte in der verschiedenen KZ. In Sachenhausen war er zeitweise sogenannter Blockältester einer Baracke mit Jugendlichen. Den polnischen und tschechischen Jugendlichen half er Deutsch zu lernen, um ihre Überlebenschancen im KZ zu erhöhen.
In ihrer Ausgabe vom 18.02.2026 berichtet die MAZ über Zeitzeugen, die bereits in den 1950er Jahren auf Knochen auf dem vermeintlich beräumten Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiter*innen-Friedhof wahrgenommen haben. (s. dazu auch: Pressemitteilung des AK Zwangsarbeit gedenken zu den Knochenfunden)
Die MAZ berichtet in Ihrer Ausgabe vom 10.02.2026 von Plänen der Elka Intercompany Verwaltungs GmbH in der Nähe des früheren Friedhofs für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen Wohnungen zu errichten.
Auch wenn der Investor davon ausgeht, dass die Baumaßnahmen das ehemalige Friedhofsgelände nicht tangieren – nach den Knochenfunden im vergangenen Jahr (s. dazu Pressemitteilung des AK Zwangsarbeit gedenken)haben bisher keine systematischen Sondierungen stattgefunden.
Bauarbeiten können aus unserer Sicht erst beginnen, wenn geklärt ist, was mit dem Gelände geschehen wird.