Kategorie: Zwangsarbeitsorte

  • Halle 13

    Halle 13

    In Halle 13 arbeiteten weibliche „Ostarbeiter“[1] und womöglich weitere Zwangsarbeiter:innen.[2] Eine sechzehnjähriges Mädchen, dass als „Ostarbeiter“ verschleppt wurde, berichtet, dass in Halle 13 nur wenige Deutsche tätig waren. Sie arbeitete an einer Drehmaschine. In der Halle befanden sich weitere Metallbearbeitungsgeräte wie z.B. Metallfräsen.[3]

    Ein überlebender berichtet, dass nach dem vermeintlichen Verlust eines Werkzeugs den „Ostarbeitern“ gedroht wurde, jeden fünften von ihnen zu erschießen. Nachdem das fehlende Instrument wiedergefunden wurde, wurde davon abgesehen.[4] Der Vorfall zeugt aber von dem Klima der Gewalt, das bei Daimler Benz Genshagen gegenüber den Zwangsarbeiter:innen herrschte.

    Die Halle 13 selbst existiert heute nicht mehr. Allerdings war an der Halle ein Kantinenbereich angegliedert, der bis vor einigen Jahren als Sporthalle genutzt wurde. Leider wurde der Bau jüngst bei einem Feuer weiter beschädigt.


    [1] Da es sich bei dem Begriff „Ostarbeiter“ um einen nationalsozialistischen (Un-)Rechtsbegriff handelt, wird dieser im Text nur in Anführungszeichen verwendet und nicht gegendert.

    [2] Martina Dietrich, Zwangsarbeit in Genshagen : dokumentierte Erinnerungen Betroffener, Potsdam 1996, S. 47.

    [3] Ebenda, 47, 48.

    [4] Barbara Hopmann (Hrsg.), Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 2017, 218–219.

  • Waldfriedhof

    Waldfriedhof

    Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden auf verschiedenen kommunalen Friedhöfen in der Region bestattet. So wurden sowjetische Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiterinnen auf dem Friedhof Großbeeren bestattet.[1] Darüber hinaus gab es spezielle Friedhöfe wie z.B. den Friedhof für verstorbene Kriegsgefangene des Stalag III A in Luckenwalde. Ein Teil der Kriegsgefangene aus diesem Lager mussten auch Zwangsarbeit bei Daimler Benz leisten. In Ludwigsfelde wurde zusätzlich zum bestehenden kommunalen Friedhof im Sommer 1942 ein Friedhof von der deutschen Wehrmacht angelegt. Dieser diente der Bestattung von sowjetischen Kriegsgefangenen und Zivilarbeitern. Ab November 1942 wurden in der Anlage die verstorbenen Ostarbeiter der Daimler-Benz Motoren GmbH Genshagen beerdigt.[2]

    Ab 1943 wurden auch Verstorbene aus anderen Nationen (Franzosen, Holländer, Belgier, Italiener und Tschechen) beigesetzt und ab 1944 auch die Häftlinge des KL Ravensbrück, die zum Arbeitseinsatz in den Daimler-Benz Motoren GmbH eingesetzt waren.[3]

    1950 beantragte die Gemeinde Ludwigsfelde die Auflösung des Friedhofes aufgrund der Pflegeintensität bei dem ehemaligen Sonderbaubüro des Kreises Teltow. Daraufhin wurden Gebeine auf den kommunalen Friedhof umgebettet. Die Quellenlage und Gebeinfunde aus jüngerer Zeit deuten allerdings darauf hin, dass auf dem Gelände noch immer Menschen begraben sind.[4]

    Die Presse berichtete in den vergangenen Jahren immer wieder über das Thema. .(Tagesspiegel vom 03.09.2025, MAZ vom 31.07.2025; MAZ vom 07.05.2015 (nicht online verfügbar).

    Der brachte am 03.01.2026 einen Beitrag, in dem der Forensiker Andreas Heinze seine Forschungen zum Waldfriedhof erläutert. Der Beitrag kann hier angesehen werden.

    Der Arbeitskreis Zwangsarbeit fordert die Einrichtung einer würdigen Gedenkstätte.


    [1] Andreas Heinze, Situationsbericht ehemaliger „Russenfriedhof“ an der Autobahn. (Unveröffentlicht), S. 1.

    [2] Ebd.

    [3] Ebd.

    [4] Ebd.

  • Früheres sowjetisches Ehrenmal

    Früheres sowjetisches Ehrenmal

    An das frühere sowjetische Ehrenmal an der Potsdamer Straße erinnert heute nur noch ein kleiner Stein und eine Plakette. Bei der Umgestaltung der Autobahn wurde dieses abgerissen und die Toten auf den kommunalen Friedhof der Stadt Ludwigsfelde umgebettet. Dabei stellte sich heraus, dass unter den 391 am Ehrenmal bestatteten, vermeintlich bei Ludwigsfelde gefallenen sowjetischen Soldaten, 148 Personen waren, die offenkundig keine Soldaten gewesen sind.

    Unter ihnen waren viele junge Frauen sowie zehn Kinder zwischen einem und zwei Jahren. Es gilt als sicher, dass es sich bei ihnen um Zwangsarbeiter*innen und deren Kinder gehandelt hat.[1] Auch in anderen Zeugnissen von Überlebenden ist die Rede davon, dass in Ludwigsfelde nicht nur Zwangsarbeiter bestattet wurden, die z.B. an mangelnder ärztlicher Versorgung gestorben sind, sondern auch zahlreiche Kinder von sowjetischen Zwangsarbeiterinnen, die kurz nach der Geburt gestorben waren, in Ludwigsfelde begraben wurden.[2]

    Dass das sowjetische Ehrenmal lange Zeit ein unbekannter Bestattungsort für Zwangsarbeiter*innen war, ist eine Beispiel dafür, dass auch in der DDR wenig Wert auf die Identifizierung verstorbener Zwangsarbeiter*innen gelegt wurde. Ein eigenes Gedenken an diese Opfergruppe war die absolute Ausnahme. Der erinnerungspolitische Fokus lag auf den Opfern des kommunistischen Widerstands und den Gefallenen der Roten Armee. Auch in der Bundesrepublik gehörten Zwangsarbeiter*innen ihrer großen Zahl zum Trotz, lange zu den vergessenen Opfern.

    Die Fotos stammen aus der Serie „Berliner Ring 2000“ der Fotografin Elke Nord. Diese sind im Bestand der Stiftung Deutsches Museum. Die Fotografin hat uns großzügigerweise die unentgeltliche Nutzung erlaubt. Die beiden Fotos sind eine der wenigen noch auffindbaren Aufnahmen des Ehrenmals.


    [1] Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 634.

    [2] Hopmann, Barbara/Mark Spoerer/Birgit Weitz/Beate Brüninghaus, Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 1994,, S. 232.

  • Halle 11

    Halle 11

    In Halle 11 war eine Fertigungshalle, in der u.a. niederländische, französische und tschechische Zwangsarbeiter:innen sowie männliche und weibliche „Ostarbeiter“[1] aus Russland und der Ukraine beschäftigt waren.[2] Hier wurden Propellerhülsen und -wellen hergestellt.[3] Darüber hinaus befand sich dort eine Werkzeugmacherei.[4]

    Die Halle 11 existiert als Bauwerk nicht mehr, Teile des Fundaments sind allerdings im Waldgebiet am hinteren Ende der Straße der Jugend noch auffindbar.


    [1] Da es sich bei dem Begriff „Ostarbeiter“ um einen nationalsozialistischen (Un-)Rechtsbegriff handelt, wird dieser im Text nur in Anführungszeichen verwendet und nicht gegendert.

    [2] Martina Dietrich, Zwangsarbeit in Genshagen : dokumentierte Erinnerungen Betroffener, Potsdam 1996, 33, 55.

    [3] Ebenda, 33, 54.

    [4] Ebenda, S. 55.

  • Kommunaler Friedhof Ludwigsfelde

    Kommunaler Friedhof Ludwigsfelde

    Seit 1995 erinnert ein Gedenkstein an 19 Frauen, die auf dem kommunalen Friedhof anonym bestattet sind. Helmuth Bauer berichtet, dass der Vorschlag für die Inschrift ursprünglich lautete: „Hier ruhen 19 unbekannte Frauen aus dem KZ Ravensbrück, ermordet im April 1945 im KZ-Außenlager Daimler Benz.“ Der Hinweis auf Daimler Benz wurde bei der Ausführung nicht übernommen. Laut Bauer habe Daimler Benz den Gedenkstein bezahlt. Die Frauen wurden ursprünglich vom sogenannten „Waldfriedhof“ umgebettet.

    Bei der Umbettung der Toten am früheren sowjetischen Ehrenmal um die Jahrtausendwende stellte sich heraus, dass unter den 391 dort erinnerten vermeintlich bei Ludwigsfelde gefallenen sowjetischen Soldaten 148 Personen waren, die offenkundig keine Soldaten gewesen sind. Unter ihnen viele junge Frauen sowie zehn Kinder zwischen einem und zwei Jahren. Es gilt als sicher, dass es sich bei ihnen um Zwangsarbeiter*innen und deren Kinder gehandelt hat.[1] Auch in anderen Zeugnissen von Überlebenden ist die Rede davon, dass in Ludwigsfelde nicht nur Zwangsarbeiter bestattet wurden, die z.B. an mangelnder ärztlicher Versorgung gestorben sind, sondern auch zahlreiche Kinder von sowjetischen Zwangsarbeiterinnen, die kurz nach der Geburt gestorben waren, in Ludwigsfelde begraben wurden.[2]


    [1] Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 634.

    [2] Hopmann, Barbara/Mark Spoerer/Birgit Weitz/Beate Brüninghaus, Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 1994, S. 232.

  • Ostarbeiterlager am Mittelganghaus/Lager Ostmark

    Ostarbeiterlager am Mittelganghaus/Lager Ostmark

    Am sogenannten Mittelganghaus in der Karl-Liebknecht-Straße 60 befand sich ein Ostarbeiterlager, in dem überwiegend Ukrainer lebten.[1] Der Name des Lagers „Ostmark“ leitet sich aus seiner Geschichte her. Der gleichnamige Flugzeughersteller hatte das Lager aufgebaut, um seine Mitarbeiter auf den Lizenzbau von Dailmer-Benz-Motoren umzuschulen. Daimler-Benz übernahm das Lager, das aus 21 Wohn-, zwei Wirtschafts-, einer Magazinbaracke sowie einer Verwaltungs-, einer Revier, einer Dusch- und einer Entlausungsbaracke bestand.[2] Im Mai 1943 waren dort 1507 „Ostarbeiter“ und 860 „Ostarbeiterinnen“ im Lager untergebracht.


    [1] Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 585.

    [2] Hopmann, Barbara/Mark Spoerer/Birgit Weitz/Beate Brüninghaus, Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 1994, S. 225.

  • Halle 24

    Halle 24

    Ab Oktober 1944 wurden 500 weibliche KZ-Häftlinge dauerhaft im Keller unter der „Deutschlandhalle“ genannten Halle 24 untergebracht.[1] Später stieg die Zahl auf bis zu 1100 weibliche Häftlinge.

    Die Halle wurde nach 1945 abgerissen und die Kellergeschoße verschlossen. Das Gelände wurde bis 1990 als durch Polizei (Betriebsschutzkommando) gesicherter Abstellplatz für LKWs verwendet und war öffentlich nicht zugänglich.[2]


    [1] Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 39.

    [2] Vgl. https://www.geoportal-ludwigsfelde.de, Karte: Bodendenkmale

  • Lager Birkengrund / Lager Ostwache

    Lager Birkengrund / Lager Ostwache

    Bereits 500 m außerhalb des Betriebsgeländes befand gegenüber der Halle 24, das Lager „Ostwache“, „Ost“ oder auch „Birkengrund“. Es bestand aus 22 Unterkunftsbaracken, je einer Wirtschafts-, Sanitär und Revierbaracke sowie einer Baracke für den Lagerführer. Darüber hinaus existierten acht Wachbaracken, drei Magazinbaracken und ein Heizhaus.

    Geplant war das Lager für die Unterbringung von 2000 Zwangsarbeitern vornehmlich aus westlichen Ländern.[1]

    Das Kriegstagebuch des Rüstungskommandos Potsdam vermerkt, dass bei einem schweren Bombenangriff in der Nacht vom 31.08. auf den 01.09.1943 das Lager nahezu vollständig abbrannte. [2]


    [1] Hopmann, Barbara/Mark Spoerer/Birgit Weitz/Beate Brüninghaus, Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 1994, S. 225.

    [2] BArch RW 21-50/6, S. 193

  • Kriegsgefangenenlager Ludwigsfelde

    Kriegsgefangenenlager Ludwigsfelde

    Im Gebiet des heutigen Dichterviertels erstreckte sich eine sukzessive immer weiter ausgebaute Ansammlung verschiedener, von einander abgetrennter Barackenlager. [1]

    Ungefähr auf der Höhe der heutigen Fontane-Grundschale befand sich ein Kriegsgefangenenlager für sowjetische Kriegsgefangene.


    [1] Zur Topographie siehe Luftaufnahmen bei Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 379.

  • Ostarbeiterlager an der Potsdamer Straße

    Ostarbeiterlager an der Potsdamer Straße

    Im Gebiet des heutigen Dichterviertels erstreckte sich eine sukzessive immer weiter ausgebaute Ansammlung verschiedener, von einander abgetrennter Barackenlager. [1]

    Zwischen Bahnhof und KZ-Außenlager befand sich ein Barackenlager, in dem sowjetische zivile Zwangsarbeiter untergebracht waren.


    [1] Zur Topographie siehe Luftaufnahmen bei Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 379.